Das Bündnis für Zuwanderung und Integration als Bündnis einer Anerkennungs- und Willkommenskultur

Die Thesen wurden im Jahr 2015 durch den Vorstand erarbeitet und in der Mitgliederversammlung am 10.12.2015 gemeinsam mit den Mitgliedern beschlossen. Diese Thesen verstehen wir als Positionspapier des BZI hinsichtlich Anerkennungs-und Willkommenskultur.

10 Thesen zur Profilschärfung des BZI (Dezember 2015)

„Zuwanderung und Integration“ – die Kernthemen des Bündnisses waren seit seiner Gründung noch nie so drängend wie heute. Die außerordentliche hohe Zahl von flüchtenden Menschen, die nach Deutschland kommen und die besondere Geschwindigkeit mit der diese Menschen kommen, stellen uns alle vor neue Herausforderungen, um Zuwanderung und Integration gleichermaßen menschenwürdig zu gestalten. Selten war es so wichtig, unterschiedliche Akteure aus Politik, Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zum problemlösenden Austausch zusammen zu bringen. Um die Aufmerksamkeit für die Kompetenzen des Bündnisses zu erhöhen, kommt es darauf an, dass es sich als kritischer und konstruktiver Akteur einer Anerkennungskultur (AK) und Willkommenskultur (WKK) aufstellt und als Plattform des erforderlichen Austauschs profiliert. Damit das menschliche Potenzial der Entwicklung einer AK und WKK genutzt und gestärkt wird, kommt es für die Arbeit des BZI darauf an, Folgendes zu betonen und zu verfolgen:

  1. Das Konzept der WKK hatte anfänglich einen starken wirtschaftlichen und demographischen Interessenshintergrund. Für das BZI ist es einerseits politisch sinnvoll, an diese Motivkräfte anzuknüpfen, andererseits ist es erforderlich stets darauf zu achten, dass das Engagement für eine AK und WKK auch aus ethischen und menschenrechtlichen Gründen erforderlich ist. Zur AK gehört für das BZI auch die Berücksichtigung jeglicher Form existenzieller Not der Migranten als Fluchtgrund.
  2. Die ursprüngliche Fokussierung der WKK auf qualifizierte Zuwanderer hat durch die vielfältigen gesellschaftlichen Willkommensaktivitäten für die ankommenden Flüchtlinge längst eine prinzipielle Ausweitung erfahren. Allerdings ist diese WK nur ein erster Schritt. Viele Fragen der Aufnahme, Unterbringung oder Abschiebung sind politisch umstritten und menschenrechtlich bedenklich. Für das BZI sind auszuhandelnde Lösungen stets auf der Grundlage gleicher Menschenwürde und Menschenrechte zu suchen.
  3. Während sich die WKK auf die neu Ankommenden richtet, benötigen wir auch eine AK für die, die schon länger in Deutschland leben. Diese AK orientiert sich an den Werten gleicher Menschenwürde und Menschenrechte.
  4. Die AK und WKK richten sich nicht nur auf einzelne Personengruppen, sondern anerkannt wird generell die Dynamik der Vielfalt in unserer Gesellschaft.
  5. Träger der AK und WKK können staatliche, politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Akteure sein. Es ist unverzichtbar, dass auch die neuen wie die ehemaligen Migranten die Entwicklung einer AK und WKK gemeinsam gestalten.
  6. Die Haltungen und die Verhaltensweisen einer AK und WKK kann und muss man lernen. Bildung – so früh wie möglich – ist eine unverzichtbare Voraussetzung für eine Einübung in eine AK und WKK.
  7. AK und WKK benötigen eine Absicherung und Unterstützung durch Strukturen, Institutionen und Bündnisse der Anerkennung und des Willkommens.
  8. Wachsamkeit und Engagement sind gefordert in der Auseinandersetzung mit den Vertretern einer „Kultur der Ausgrenzung und Abwertung“. AK und WKK haben sich besonders in der Auseinandersetzung mit und der Abwehr von Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu bewähren.
  9. Dort wo die Entwicklungskräfte für eine AK und WKK noch nicht reichen, wäre der bescheidenere Schritt hin zu einer „Kultur der Toleranz/ Bleibekultur“ ein erster möglicher Schritt, v.a. um das Leben der Flüchtlinge zu verbessern.
  10. Das Bündnis (BZI) nutzt, stärkt und bündelt bestehende Willkommens- und Anerkennungsaktivitäten seiner Mitglieder und es fördert den Dialog mit möglichen Partnern in Staat, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Es eröffnet gerade durch seine Struktur als Bündnis Dialogchancen und Gestaltungsmöglichkeiten angesichts der der Krise in Gesellschaft und Politik.